
PresseText
Na, eigentlich macht er ja Musik in erster Linie, der nette Onkel. Aber er erzählt auch ganz ordentlich unterhaltende Anekdoten aus seinem fundamentalen Erinnerungsschatz. Mehr so nebenbei kann man sagen.
Er zapft den Schatz so an, spontan und kann deswegen auch nicht sagen, was alles als nächstes kommt. Aber er ist ja auch nicht Krösus. Vielleicht sollte man auch improvisierte Comedy sagen, weil das zurzeit ganz gut angesagt ist, das Wort. Da verstehn die Leute wenigstens was gemeint ist oder sie meinen es jedenfalls. Und lachen kann man dann auch, das ist ja in der jetzigen Zeit grade wieder sehr wichtig, dass man lacht. Wo kämen wir denn da hin, wenn man nichts mehr zum Lachen hat, in Teufels Küche, na gut, dann hätte man wenigstens was zu Essen.
Während des Sinnierens über sich und die Welt jagt er seine bluesig gespielte Gitarre durch ein Fuzzpedal und bringt seine „Lieder von schräg gegenüber“ wahlweise übers Mikrofon oder durch eine umgebaute Fahrradlampe rüber. Er ist der ® Überbringer. Mit den Füßen erzeugt er seinen legendären Trittschallbeatteppich.
Eine echte One Man Band also. One Man Comedy Band.
One Man Band
Was macht man mit einem Koffer, einem Tambourine und einer Gitarre? Man schmeißt das Tambourine weg und verreist? Richtig, oder man macht eine Ein-Mann-Kapelle auf. Man kann auch beides kombinieren und nennt das dann Konzerttournee. Nimmt man jetzt noch eine Mundharmonika, eine zum Mikro umfunktionierte Fahrradlampe und ein Fuzzpedal zur Hand, schlägt die Mappe mit den deutschen Texten auf und singt ohne Blatt vorm Mund vom eigenen Alltag und dergleichen Sicht auf die Dinge, ist man im Countrybluespunkrock mit deutschen Texten angekommen, dann ist man Lutz Drenkwitz.
Ein Mann braucht eine Aufgabe
(alle anderen auch), das steht so fest wie das Amen in der Kirche, dementsprechend macht sich unser Protagonist mal wieder auf, das Land hoch und runter zu bespielen und kreuz und quer und alle möglichen und unmöglichen Erkenntnisse über das Leben, die Frauen und andere Süchte zu verbreiten. Er wird sich wieder standesgemäß und hemmungslos durch das Gemeut metzeln und nebenbei auch noch Kaffee latten.
„Wär` ich nich Musiker geworden, wär ich Imbissbudenverkäufer geworden“, wir wissen nicht, was uns dieses kryptische Zitat sagen will, wir wissen nur: Der Meister weiß und hat Recht.
Neue Platte
Im Sommer `10, als alle anderen wiedermal im Urlaub waren, hat sich Lutz held-der-arbeit-mäßig in sein Studio zurückgezogen und im Jahrhundertschweiß seines Angesichts neuestes Liedmaterial zu einem Manifest des Countrybluespunkrock verschmolzen.
„Im Spagat zwischen Volk und Avantgarde“ reflektiert er in „Die Zeiten werden härter, die Kekse weicher“, in „Er geht zum Arbeitsamt“ oder im „Callcenter Blues“ die Lage der Nation, muss sich eingestehen „Ein Alkoholproblem macht noch keinen Rockstar“, träumt deswegen „Ich möchte sein wie Kurt Cobain (nur nicht so tot)“, hat aber auch „Pornofieber“ und ist endlich ehrlich zu seiner Ex: „Ich wünsch Dir alles Gute auf Deinem Weg in die Hölle“. Sich selbst wünscht er „Man müsste stumpf Parolen wiederkäuen wollen können“, um endlich auch mal in so nem linken Verein mitmachen zu können. Er weiß „Der Beischlaf hält meist nicht was die Onanie verspricht“, deswegen wär er jetzt gern in „Marrakesch“, aber leider wird das Urlaubsgeld anders angelegt („Der Gulli spricht mit mir“ [ungenügender Rauschabstand]).
Auch wenn „Rock`n`Roll und Alltag“ zwei paar Schuhe sind, er macht „`ne eigene Schublade auf“ und zieht durch. Mit allen Konsequenzen einer Entscheidung.
Multitas King
Lutz spielt eine bluesige Gitarre, jagt sie durch ein Fuzzpedal, singt dazu wahlweise ins Mikrofon oder in eine umgebaute Fahrradlampe, tritt mit dem rechten Fuß via Fußmaschine einem alten Reisekoffer den Rhythmus aus dem Gebälk, mit dem linken ein Tambourine und bläst obendrauf noch die Harp was das Zeug hält. Allenthalben rasselt und rappelt es im Karton, dass es eine Lust ist und auch eine Art hat.
Lutz Drenkwitz holt uns ab, entführt uns in die Untiefen seines Countrybluespunkrocks, dorthin wo der Schmerz noch empfunden wird, feiert das Leben, erforscht seine tiefsten Tiefen und befördert uns zu den Sternen.
Live verabreicht der Doktor eine in Hunderten von Konzerten angewöhnte kurzweilige Unterhaltungsspritze.
dienstleister mit gitarre - ein mann atmet benzindämpfe, hört kubanische musik und isst zu selbstgemachtem auflauf falschen fetakäse"
Countrybluespunkrock ist was Lutz Drenkwitz macht, hin und wieder um eine seltsam verquere Ballade bereichert.
Stimme und seine bluesig gespielte Gitarre unterstützt er durch auf selbstgebauter Fußpercussion erzeugten Trittschallbeat.
In seinen Texten reflektiert Drenkwitz, oft ironisch, sich Selbst und seine Umwelt, siniert über das Leben und die Liebe. Der „dienstleister mit gitarre“ setzt sein Musikerdasein in Zusammenhang zur Leistungs-orientiertheit unserer Gesellschaft, von dort zum "hobby drogen" ist es dann nicht mehr weit, „amerika“ wieder ist die satirische Abrechnung mit einer auf Rücksichtslosigkeit programmierten Lebensweise, während der wildromantische „puszta schwoof“ den adäquaten Soundtrack für den nächtlichen Surf durch den Großstadtdschungel liefert.
Seit 1986 verdingt sich der selbsternannte „Hippie mit Punkeinschlag“ als Musikant. Abgefeiert als braunschweiger Vorzeigerocker bereist er mit seiner Indierockkapelle „shifty sheriffs“ aus der niedersächsischen Provinz heraus die Nation. Plattenverträge folgen, zahlreiche Tourneen mit den „Toy Dolls“, „Ice-T and Body Count“, „Social Distortion“ u.v.a. und dann der Ausstieg aus dem Wahnsinnskarussell des big business.
Drenkwitz eist sich los und zieht weiter, neue Bands folgen, ständig wechselnde Besetzungen verleiden ihm dann aber irgendwann die Lust an Gemeinschaftsprojekten, 2005 geht er in die Hauptstadt um allein weiterzumachen.
Der Schmelztiegel Berlin bietet ihm manigfaltige Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln, der hohe Standard schärft sein Profil.
„Lieder von schräg gegenüber“
Neue CD vom Dienstleister mit Gitarre
Bevor die Polkappen schmilzen bringt Lutz Drenkwitz, zugegebenermaßen unvernünftigerweise, um sich rum mal wieder alles zum Schwitzen. Weil, nun ja, seine neue Scheibe ist heiß. Nehmen wir es cool.
Seine „Lieder von schräg gegenüber“ haben so aussagekräftige Titel wie „Bier und Doppelkorn“, Scheißrücksichtslose Mistkuh“ oder „Ich gab ihr Bier und sie mir Liebe“.
Tagebuchähnlich gibt uns der freidrehende Sympath (s)einen Gefühlsbericht des vergangenen Jahres. Standesgemäß wird wieder gepöbelt, rebelliert, seziert und analysiert, aber auch eine dem Enstehungszeitraum Herbst angemessene Melancholie kommt nicht zu kurz. Elf Perlen aus der Drenkwitzschen Songschmiede serviert uns der neue Longplayer direkt an die Ohrmuschel, allesamt bereit Gemüter zu besänftigen, Abende zu versüßen und das Abweinen längst überfälliger Freudentränen zu ermöglichen.
Countrybluespunkrock aus dem wahren Leben möchte man sagen.
Lassen wir es dabei.
